Montag, 24. April 2017

Immer dieser Euro. Und eine EZB als Insel im Meer der strukturschwachen Zone. Wie weit trägt das Modell "Super-Mario"?

Natürlich dreht sich am Anfang dieser Woche vieles um den Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen, die wir erst am 7. Mai, nach der Stichwahl, endgültig  bilanzieren können. Natürlich ist das auch deshalb ein besonders wichtiges Thema, weil es mit Frankreich um ein Schwergewicht der Euro-Zone geht neben Deutschland und die Franzosen ganz wichtige Handelspartner für die deutsche Volkswirtschaft sind. Und weil mit Marine Le Pen eine Kandidatin in die Stichwahl gekommen ist, die zumindest auf der Ankündigungsebene mit einem "Frexit" jongliert. Vor diesem Hintergrund kann man natürlich schon die Frage stellen: Wie realistisch ist der Zusammenbruch der Eurozone? Die wird zumindest in einer Hintergrund-Sendung des Deutschlandfunks aufgeworfen. Natürlich wird in dieser Sendung auch der EZB-Chef Mario Draghi zitiert. Der Präsident der Europäischen Zentralbank wurde gefragt, ob die Eurozone auseinanderbrechen könne: "Frankly: I don’t see that." Und er fügt beruhigend und an andere historische Worte aus seinem Munde erinnernd hinzu: "We are ready. The Euro is irrevocable.”
Der Euro sei unumkehrbar. Wirklich? Unumkehrbar? Das kann man auch anders sehen: »Seriöse Gesprächspartner aus der Geldbranche urteilen anders. Sie sehen Gefahren für den Euro und äußern sie auch. Uwe Fröhlich etwa. Dem Präsidenten des genossenschaftlichen Bankenverbandes fehlt es in der Eurozone an Gemeinsamkeiten.« Es sei viel auseinandergelaufen, meint Fröhlich: "Denn nur, wenn etwa die Länder des Euroraumes sich wirtschaftlich ähnlich genug sind, kann der Euro als Gemeinschaftswährung seine Akzeptanz erhalten und seine Vorteile voll ausspielen. Sind die Länder zu verschieden, wird die Geldpolitik den einzelnen Volkswirtschaften zu wenig gerecht und der Verzicht auf anpassungsfähige Wechselkurse zahlt sich letztlich nicht aus. Setzt sich dieses Problem weiter fort, ist die Zukunft des Euro nicht gesichert."

Samstag, 22. April 2017

Der sagenhafte Rendite-Lockruf der Optionsschein-Welt statt 72 Jungfrauen. Über ein Attentat mit Börsenhintergrund - und die verstörend-normale Welt des Wahnsinns dahinter

Als bekannt wurde, dass auf den Mannschaftsbus des BVB Dortmund ein Sprengstoffanschlag verübt worden ist, da wurde man mit den üblichen Spekulationen über die Täterschaft versorgt. Ein "islamistischer Hintergrund" kam sogleich auf Platz 1 der Verdächtigen-Hitliste. Als dann bekannt wurde, dass es Sprengstoff aus Bundeswehr-Beständen war, der verwendet wurde, kam auch ein "rechtsextremistischer Hintergrund" ins Blickfeld. Aber mal ehrlich - das, was die Ermittler dann herausgefunden haben, das hat die allermeisten völlig kalt erwischt, selbst langjährig erfahrene Kriminalisten waren sprachlos. Ein Anschlag "mit Börsenhintergrund", so kann man das zusammenfassen. Ein Deutsch-Russe, der den oftmals so selbstverständlich verwendeten Terminus "Gewinnoptimierung" bis zur allerletzten abgründigen Konsequenz durchbuchstabiert hat - denn am besten hätte er verdient, wenn möglichst viele Dortmunder Spieler umgekommen wären. Da hat sich jemand an der Stratosphäre der "ökonomischen Rationalität" versucht.

Freitag, 21. April 2017

Von Medikamenten, schutzbedürftigen Innovatoren und Mondpreisen, von Indien und Aktivisten für die Menschen auf der dunklen Seite

»100 Euro Produktions-, aber 43.500 Euro Therapiekosten: Bei den Preisen neuer Medikamente geht es allein um den Profit, kritisieren Ärzte. Die Preispolitik könnte das Gesundheitssystem bald unfinanzierbar machen.« So beginnt der Artikel Medikamente immer teurer – Industrie am Pranger von Peter Thelen. Er berichtet darin von - wieder einmal - massiver Kritik an der Pharmaindustrie. Diesmal vorgetragen von MEZIS. Dieses Kürzel steht für „Mein Essen zahl ich selbst“. Dabei handelt es sich um eine 2006 entstanden Initiative von Ärzten, die nicht mehr mitmachen wollten bei der traditionellen Kooperation zwischen Ärzteschaft und der Pharmaindustrie. Die haben sich nun mit der Pharmaindustrie angelegt: »„Der gemeinsame Nenner der Pharmakonzerne ist der Profit. Der Preis eines Medikaments orientiert sich nicht an den Forschungskosten, schon gar nicht an den Produktionskosten, sondern allein am Marktwert“, sagt Christiane Fischer, ärztliche Geschäftsführerin von Mezis.« Die Medizinerin  ist zugleich Mitglied des Deutschen Ethikrats. Auch Thomas Lempert, Chefarzt der Schlosspark-Klinik in Berlin und Mitglied des Fachausschusses für Transparenz und Unabhängigkeit in der Medizin in der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. Lempert wirft der Industrie eine bewusst intransparente Preispolitik vor. „Es ist nicht Aufgabe der Versichertengemeinschaft, Profitmargen von 20 bis 30 Prozent und ausufernde Marketingetats zu finanzieren“, so Lempert.

Montag, 17. April 2017

Ostern 2017: Von für andere teuer erkauften Schokohasen bis zu Martin Luther und den Gemeingütern

Millionen Schokohasen, Schokoeier und Pralinen verkaufen die Supermärkte in diesen Tagen. Für wenige Euro sind die Süßigkeiten in den Läden zu haben. Doch der wertvolle Rohstoff, der Kakao, stammt häufig aus problematischem Anbau. Meint Tanja Tricarico in ihrem Artikel Die bittere Seite des Süßen. Warum das?
»Rund 60 Prozent der Kakaobohnen, die in Deutschlands verkaufter Schokolade stecken, kommen aus der Elfenbeinküste. Tausende Bauern leben von der Ernte der Pflanzen in dem westafrikanischen Land. Die ivorische Regierung zahlt ihnen seit 2011 einen Mindestpreis ... Dank garantiertem Preis können die Bauern mit einem konkreten Einkommen rechnen.« Also alles gut - oder? Für die Abnehmer in Europa ist eine andere Einrichtung und die von dort ausgehenden Signale relevant - die an der Terminbörse in London gehandelten Preise für Rohkakao. Und von dort erfahren wir: Dank spekulativem Handel ist der Preis für Rohkakao seit 2013 stark gestiegen. »Angetrieben wurden die Spekulanten – also Hedgefonds und Finanzinstitute – durch die hohen Ernteverluste, bedingt durch das jüngste Klimaphänomen El Niño. Bis heute leiden viele Regionen Afrikas an dessen Folgen.«

Donnerstag, 13. April 2017

Der gemeinschaftliche und wiederkehrende Blick in die ökonomische Glaskugel - das Frühjahrsgutachten 2017. Und einige kritische Anfragen

Wie in jedem Frühjahr haben sie es wieder getan. Die aus mehreren von der Bundesregierung beauftragte Wirtschaftsforschungsinstitute bestehende Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose hat das Frühjahrsgutachten 2017 vorgelegt. Das steht in diesem Jahr unter der Überschrift Aufschwung festigt sich trotz weltwirtschaftlicher Risiken. In der Pressemitteilung der Institute heißt es: »Die deutsche Wirtschaft befindet sich nun schon im fünften Jahr eines mode­raten Aufschwungs. Die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung nimmt allmählich zu, und die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten dürf­ten mittlerweile die Normalauslastung leicht überschritten haben. Davon gehen die an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligten Wirtschaftsforschungs­institute in ihrem Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung aus. Die kon­junkturelle Dynamik bleibt dabei im Vergleich zu früheren Aufschwung­phasen gering, auch weil der wenig schwankungsanfällige Konsum die Hauptantriebskraft ist. Einer stärkeren Kapazitätsanspannung wirkt zudem entgegen, dass die Nettozuwanderung das Produktionspotenzial erhöht. „Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um 1,5 Prozent (kalenderbereinigt 1,8 Prozent) und im kommenden Jahr um 1,8 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenquote dürfte nach 6,1 Prozent im Jahr 2016 auf 5,7 Prozent im Jahr 2017 und 5,4 Prozent im Jahr 2018 sinken“, so Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Nach einem Anstieg der Verbraucherpreise von nur 0,5 Prozent im Jahr 2016 werden im Prognosezeitraum mit 1,8 Prozent im Jahr 2017 und 1,7 Prozent im Jahr 2018 wohl wieder merklich höhere Raten erreicht. Die öffentlichen Haushaltsüberschüsse gehen etwas zurück; das Finanzgebaren der öffent­lichen Hand ist im laufenden Jahr leicht stimulierend und im kommenden Jahr konjunkturneutral ausgerichtet.«

Dienstag, 11. April 2017

Rien ne va plus. Also für so einige Spielhallen. Deren Regulierung wird vom Bundesverfassungsgericht bestätigt

Wer kennt sie nicht, die Spielhallen in unseren Städten. Für viele anscheinend ein Magnet, für andere immer eine Einrichtung mit zwielichtigem Image. Die einen versprechen sich davon das Glück, die anderen sehen eine Spielhölle, die den einen oder anderen in die Spielsucht runterzieht.
Für 2015 wurden fast genau 6.000 Spielhallen und Betriebe mit Spielautomaten in Deutschland ausgewiesen. Die Anzahl der aufgestellten "Unterhaltungsautomaten mit Geldgewinn" (auf solche Bezeichnungen muss man erst einmal kommen) beläuft sich auf 267.000. Und da fließt im wahrsten Sinne des Wortes eine Menge Geld: 5,8 Mrd. Euro, so hoch ist der Umsatz von Spielhallen mit dem Betrieb von Spielautomaten.
Im Auftrag der Deutschen Automatenwirtschaft erstellt das ifo Institut für Wirtschaftsforschung München regelmäßig Gutachten über die wirtschaftliche Lage der Branche: Hans-Günther Vieweg (2016): Wirtschaftsentwicklung Unterhaltungsautomaten 2015 und Ausblick 2016, München, März 2016. In diesen Gutachten wird die "Überregulierung des gewerblichen Geldspiels" beklagt. "Die Überregulierung des gewerblichen Geldspiels, die vor allem die Länder mit ihrer interessengeleiteten Politik in den letzten Jahren forciert haben, hat zu einer massiven Einschränkung des Handlungsspielraums von Aufstellunternehmen geführt", kann man beispielsweise in dem Gutachten lesen (Vieweg 2016: 56). Die Kritiker hingegen haben in der Vergangenheit immer das Gegenteil behauptet (vgl. dazu beispielsweise aus dem Jahr 2012 den Artikel Zocken bis zum Zusammenbruch: »Fast 200.000 Menschen sind in Deutschland spielsüchtig, die meisten zocken an Automaten. Die Geräte besitzen das größte Suchtpotential, trotzdem werden sie vom Staat nicht reguliert. Der Grund: Es geht um Milliarden von Euro.«) Aber selbst wenn man von der behaupteten Überregulierung der Branche ausgeht, dann hat die - jedenfalls in der Vergangenheit - keineswegs die sprudelnde Umsatzquelle beeinträchtigt. Das aber wird sich jetzt ändern.

Montag, 10. April 2017

Keiner hat die Absicht, das Bargeld abzuschaffen. Also jedenfalls nicht auf die harte Tour

Die Diskussion über die (Nicht-)Zukunft des Bargelds hatte vor einiger Zeit in der Wirtschaftspresse mal wieder ein wenig Auftrieb. Der leise Abschied vom Bargeld, war beispielsweise einer der Artikel überschrieben. Kritiker befürchten völlige Abschaffung des Bargelds, so ein weiterer Beitrag: »Die EU-Kommission erwägt im Kampf gegen den Terrorismus Zahlungsobergrenzen. Vor allem in Deutschland regt sich Widerstand.« Auf der anderen Seite muss man auch das zur Kenntnis nehmen: Trend geht weg von Münzen und Scheinen: »Sparkassen und Banken arbeiten an der Weiterentwicklung von mobilen Bezahlsystemen. Verbraucher nutzen mittlerweile auch in Deutschland immer öfter die Karte auch für kleinere Beträge.« Und wenn man sich mit der "Psychologie des Geldes" beschäftigt wie Claudia Hammond, dann kommt man auf solche Erkenntnisse: "Die Menschen hängen am Bargeld". Sie hat zwei Jahre zu dem Thema geforscht und über 250 Studien ausgewertet. Das hat ihr auch persönlich was gebracht - "beispielsweise kaufe ich heute nicht mehr im mittleren Preissegment", sagt sie im Interview. »Ich nehme jetzt oft das billigste Produkt. Durch meine Recherche ist mir bewusst geworden, dass Händler die teuersten Modelle nur ausstellen, weil das den zweitteuersten den Anschein gibt, als gehörten sie zur mittleren Preisklasse. Unzählige Untersuchungen beweisen, dass viele Kaufentscheidungen auf dem sogenannten Kompromisseffekt basieren. Es hat sich ja oft im Leben als vernünftig erwiesen, Extreme zu vermeiden, den Mittelweg zu wählen. Geschäftsleute machen sich das zunutze«, so Claudia Hammond.

Donnerstag, 6. April 2017

Arbeitskosten in der EU im Jahr 2016 - von ganz tief bis sehr hoch

Im Jahr 2016 lagen die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde in der gesamten Wirtschaft (ohne Landwirtschaft und öffentliche Verwaltung) in der Europäischen Union (EU) schätzungsweise bei 25,4 Euro und im Euroraum bei 29,8 Euro. Wie gesagt, im Durchschnitt. Hinter diesen Werten verbirgt sich eine beeindruckende Streuung zwischen den Ländern der EU, berichtet Eurostat: Arbeitskosten pro Stunde lagen 2016 in den EU-
Mitgliedstaaten zwischen 4,4€ und 42,0€, so ist die Mitteilung der europäischen Statistikbehörde überschrieben. »Die niedrigsten Arbeitskosten pro Stunde wurden in Bulgarien (4,4€), Rumänien (5,5€), Litauen (7,3€), Lettland (7,5€), Ungarn (8,3€) und Polen (8,6€) verzeichnet und die höchsten in Dänemark (42,0€), Belgien (39,2€), Schweden (38,0€), Luxemburg (36,6€) und Frankreich (35,6€).«

Mittwoch, 5. April 2017

Vom möglichen Umgang mit den hohen Überschüssen in der Leistungsbilanz der deutschen Volkswirtschaft

Die EU-Kommission hat Ende Februar 2017 ihren Länderbericht Deutschland 2017 mit eingehender Überprüfung der Vermeidung und Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte veröffentlicht.
Darin findet man den folgenden Passus:
»Der anhaltend hohe Leistungsbilanzüberschuss hat sich 2016 weiter ausgeweitet und wird den Prognosen zufolge bis 2018 weiter über 8 % des BIP liegen. Der deutsche Leistungsbilanz- und der deutsche Handelsbilanzüberschuss machen etwa drei Viertel der Überschüsse des Euroraums insgesamt aus und sind die höchsten unter den großen fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Der Anstieg im Zeitraum 2015-2016 ist zu einem großen Teil auf den Preisrückgang bei Öl und anderen Rohstoffen und die Abwertung des Euro zurückzuführen. Der hohe Stand und die Beharrlichkeit der Überschüsse sind allerdings dem Sparüberhang über die Investitionen geschuldet, der seinerseits durch eine Reihe struktureller, rechtlicher und fiskalischer Faktoren bedingt ist.« (S. 2)
Da ist er wieder, der Leistungsbilanzüberschuss, der nicht nur, aber auch deshalb aktuell öfter Gegenstand der Wirtschaftsberichterstattung geworden ist, weil Donald Trump als Vertreter einer Defizit-Volkswirtschaft die Überschussländer, allen voran China, aber eben auch Deutschland, ins Visier genommen hat - man denke hier an die aktuellen Vorgänge im Stahlbereich (vgl. dazu den Beitrag Es ist wieder Krieg. Also genauer: Handelskrieg. Zumindest wird damit gedroht und für ein Exempel muss der Stahl herhalten vom 3. April 2017) - und erste Anzeichen für eine handelskonfliktäre Entwicklung erkennbar sind. Nun werden die hohen Überschüsse von einer Minderheit der Volkswirte schon seit langem und regelmäßig als Problem gebrandmarkt und eine Reduzierung angemahnt. Aus der eher linken Ecke der Ökonomenzunft kommt hier immer wieder der Hinweis auf die besondere Rolle der Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportunternehmen durch die Lohnzurückhaltung in Deutschland, die dazu geführt habe, dass die deutsche Volkswirtschaft preislich deutlich wettbewerbsfähiger gegenüber anderen Staaten geworden sei. Aus dem anderen Lager wird darauf abgestellt, dass es vor allem die Qualität der Produkte sei und nicht die niedrigeren Kosten, die zu den Überschüssen geführt hat. Immer wieder stößt man an dieser Stelle in der Debatte auf das Argument, dass die Deutschen doch nichts dafür können, dass sie nun mal bessere und entsprechend nachgefragte Autos oder Maschinen bauen als beispielsweise US-amerikanische Unternehmen. Sollen wir deshalb weniger verkaufen, obwohl eine Nachfrage vorhanden ist?

Montag, 3. April 2017

Es ist wieder Krieg. Also genauer: Handelskrieg. Zumindest wird damit gedroht und für ein Exempel muss der Stahl herhalten

Zumindest, wenn man denn den martialischen Schlagzeilen folgt: Der Handelskrieg beginnt, sei hat Frank-Thomas Wenzel seinen Artikel überschrieben. Etwas abgeschwächter in der Wortwahl, aber in die gleiche Richtung, die Online-Ausgabe der ZEIT: Trump riskiert einen Handelskrieg:
»US-Präsident Donald Trump hat zwei Erlasse zur Unterstützung der amerikanischen Industrie unterzeichnet. Darin werde eine Prüfung des US-Handelsdefizits angeordnet sowie ein Vorgehen gegen Staaten, die sich auf unzulässige Weise einen Vorteil aus Handelsvorschriften verschaffen, kündigte Trump an ... Demnach fallen unter unfaire Handelspraktiken Dumpingpreise, unerlaubte Subventionen und fehlgeleitete Wechselkurse. Trump sind die hohen Defizite im Handel mit Ländern wie China und Deutschland seit Langem ein Dorn im Auge.«

Als Hintergrund für diese Zuspitzung muss wie so oft auf ein ökonomisches Ungleichgewicht hingewiesen werden: Das Handelsdefizit der USA ist im vergangenen Jahr noch einmal gestiegen, und zwar auf 481 Milliarden Dollar. Das bedeutet, die USA importieren deutlich mehr Waren, als sie in andere Länder exportieren.

Sonntag, 2. April 2017

Die Banken sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Von Gebühren an seelenlosen Automaten bis hin zu "Verwahrentgelten", wenn man Geld mitbringt

Das sind Meldungen, die vielen sauer aufstoßen werden: Sparkassen fordern von eigenen Kunden Geld fürs Abheben oder Erste Sparkassenkunden zahlen fürs Geldabheben. »43 Sparkassen verlangen jetzt von ihren Kunden Gebühren fürs Geldabheben am Automaten. Und zwar bis zu einem Euro. Zwar können die Kunden andere Modelle wählen, doch drohen dann andere Kosten«, berichtet Hanno Mussler in seinem Artikel. Das Ergebnis einer aktuellen Recherche des Internetfinanzportals Biallo.de: 20 von 400 Sparkassen ziehen schon beim ersten Mal Geldabheben Gebühren ein. Weitere 23 Sparkassen verlangen Gebühren, nachdem sich ein Kunde schon zwei bis fünf Mal in demselben Monat am Geldautomaten bedient hat. Wenn wir über Bankautomaten sprechen, dann geht es um eine beeindruckende und wichtige Infrastruktur - gerade angesichts der Bedeutung, die Bargeld und damit der Zugang zu Bargeld in Deutschland hat:
»Die 400 kommunalen Sparkassen bieten mit etwa 25.000 Geldautomaten das dichteste Netz für die Bargeldversorgung in Deutschland. Die knapp 1000 Volks- und Raiffeisenbanken haben etwa 11.000 Geldautomaten aufgestellt, und die in der „Cash Group“ zusammengeschlossenen Kreditinstitute Commerzbank, Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank und Postbank bieten zuzüglich der Shell-Tankstellen 9000 Geldautomaten. Während Geldabheben an Automaten „fremder“ Banken schon immer Gebühren kostete, kamen Kunden innerhalb der Sparkassengruppe, im VR-Verbund sowie unter den „befreundeten Banken“ der Cash Group bisher kostenfrei an das Geld auf ihrem Konto.«

Samstag, 1. April 2017

Amazon mal wieder. Diesmal mit einer "Anwesenheitsprämie" für "Gesunde"und die dann auch noch gekoppelt an das ganze Team

Amazon mal wieder - dieses Unternehmen ist ja immer wieder im Mittelpunkt der Berichterstattung. Die eine beklagen die Arbeitsbedingungen in den Versandzentren des Online-Händlers und einige streiken immer wieder und seit Jahren, um den amerikanischen Konzern in einen deutschen Tarifvertrag zu zwingen, bislang ohne erkennbaren Erfolg. Die anderen weisen darauf hin, dass bei aller Kritik der Konzern allen Bewerbern eine Chance auf Einstellung gibt und über Mindestlohn zahle.
Das aber soll hier gar nicht Thema sein. Sondern diese Meldung: Amazon belohnt Gesunde. Dabei handelt es sich um eine Zusammenfassung des Artikels Gold für Gesunde von Martin Scheele in der Süddeutschen Zeitung. Und darum geht es konkret:
»Fieber, Rücken, Magen-Darm: Krankheiten sind bekanntlich ein Teil des Lebens. Doch der Versandhändler Amazon will sich nicht so mit ihnen abfinden. Mitarbeiter, die nicht so oft krank sind, sollen eine Prämie bekommen - allerdings nur, wenn das gesamte Team mitzieht.«
Um den Krankenstand in seinen Logistikzentren zu senken, gibt es beim Online-Versandhändler Amazon seit vergangenem Jahr eine Anwesenheitsprämie für die Mitarbeiter. Die Mitarbeiter bekommen aktuell in fünf der neun Versandzentren als Bestandteil einer aus mehreren Komponenten bestehenden Erfolgsprämie auch mehr Geld, wenn sie sich seltener krank melden.
Nun kann man schon darüber diskutieren, ob solche Prämien für das Fehlen krankheitsbedingter Ausfalltage wirklich sinnvoll sind - man kann sich viele Gegenargumente vorstellen, selbst betriebswirtschaftliche im engeren Sinne, beispielsweise wenn sich kranke Mitarbeiter zur Arbeit schleppen oder andere Kollegen anstecken, nur um den eigenen Bonus nicht zu gefährden.

Donnerstag, 30. März 2017

Von deutschen Reedern, die mit vielen Steuermillionen gepampert werden und einer Bank, die an der Seeschifffahrt verdient hat und jetzt in die Knie geht

Der Welthandel wird zu 90 Prozent über die Meere abgewickelt. Auch ein Großteil der Waren des deutschen Außenhandels wird mit Schiffen transportiert. Damit hat der Seeverkehr volkswirtschaftlich eine entscheidende Bedeutung für eine globalisierte Wirtschaft. Doch das für die Weltwirtschaft so wichtige Schwergewicht der Logistik hat eine enorme Schlagseite bekommen. So beginnt ein Beitrag in diesem Blog, der am 15. Januar 2017 veröffentlicht wurde: Das logistische Schwergewicht Seeschifffahrt in der Krise. Von Überkapazitäten, ruinösem Preiskampf und einem großen Fressen auf hoher See. Dort wurde ausführlich beschrieben, was auf dem Markt der Frachtschifffahrt los ist - und wie viele Reedereien in Seenot geraten sind durch einen ruinösen Preiskampf auf den Weltmeeren.
Dabei werden die deutschen Reedereien mit hunderten Millionen Euro an Staatshilfen unterstützt. Der Frage, warum das eigentlich gemacht wird, geht Hanna Grabbe in ihrem Artikel Dahin geht die Steuer, Mann! nach. Und gleich am Anfang taucht eine Bank und eine Bankkrise mit enormen Ausmaßen auf - die HSH Nordbank, ein Landesinstitut, das zu großen Teilen der Stadt Hamburg und dem Land Schleswig-Holstein gehört.

Dienstag, 28. März 2017

Privatisierung: Keiner hat die Absicht, die Autobahnen zu privatisieren. Das kennt man. Und das darf man auf keinen Fall glauben

Bereits am 30. Oktober 2016 wurde in diesem Blog berichtet: Über deutsche Autobahnen und eine Lüge, die der Privatisierung öffentlicher Infrastruktur zum Durchbruch verhelfen kann. Dort kann man am Ende des Beitrags dieses Zitat des Rechtswissenschaftlers Georg Hermes lesen: "Öffentlich beteuern die Politiker, dass eine Privatisierung der Autobahnen und Bundesstraßen nicht geplant sei. Genau das aber treiben sie voran." Und am 9. Februar 2017 wurde das Thema erneut angesprochen in diesem Beitrag: Schleichend weiter den Weg in einen Gebührenstaat? DGB warnt vor einer Privatisierung von Straßen und Daseinsvorsorge. Auch dort ging es um gesetzgeberische Änderungen, mit deren Hilfe die Gründung einer Infrastrukturgesellschaft des Bundes ermöglicht werden soll. Nun haben wir schon Ende März 2017 und man ahnt - das Gesetzgebungsverfahren liegt in den letzten Zügen, aber nicht im übertragenen Sinn, dass es noch beerdigt werden kann. Denn es wird für das eigentliche Anliegen gebraucht, das man nach Meinung der Kritiker so zusammenfassen kann: eine weitgehende Privatisierung, die Möglichkeit, den Haushalt zu umgehen und die Aushebelung der Kontrollrechte des Parlaments - und um das erreichen zu können, wird nicht nur ein normales Gesetzgebungsverfahren auf die Schiene gesetzt, sondern mehrere Eingriffe in unser Grundgesetz. Diese Vorwürfe werden nun nicht nur von einigen abseitigen Vertretern vorgetragen, sondern von einer großen Mehrheit der Experten, die an der letzten öffentlichen Anhörung zur Infrastrukturgesellschaft teilgenommen haben.

Sonntag, 26. März 2017

CETA gerade so, TTIP sicher nicht (mehr) - und weiter geht's mit "JEFTA". Neues aus der Welt der Freihandelsabkommen

Es ist nun wirklich noch nicht so lange her, dass die an sich kryptisch daherkommenden Kürzel "TTIP" und "CETA" den Raum der Experten verlassen haben und bei vielen Menschen politische (Abwehr-)Reaktionen ausgelöst haben. Der Widerstand gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der EU hat sogar im vergangenen Jahr zu einer der größten Demonstrationen in der jüngeren Geschichte unseres Landes geführt. Und dem CETA-Abkommen zwischen der EU und CETA wäre fast auf den letzten Metern die Luft ausgegangen, weil die Wallonen in Belgien erbitterten Widerstand geleistet und für eine kurzen Moment die Bühne der Weltgeschichte betreten haben. Und das CETA-Abkommen muss noch von allen nationalen Parlamenten in der EU ratifiziert werden. Mit dem Amtsantritt von Donald Trump in den USA kann man einen Abschluss von TTIP wohl in die Nähe der Wahrscheinlichkeit der Aufnahme der Türkei in die EU in den kommenden zehn Jahren rücken. Wer aber glaubt, nun ist das Thema Freihandelsabkommen erst einmal zu den Akten gelegt, der sollte sich mit einem neuen Anlauf in der Welt der Freihandelsabkommen beschäftigen und die Bedeutung des Kürzels "JEFTA" verstehen.

Donnerstag, 23. März 2017

Wo Frauen offensichtlich günstig zu haben sind. Vergütungsunterschiede in den oberen Etagen und dann auch noch in öffentlichen Unternehmen

Erst vor wenigen Tagen wurde mal wieder berichtet über die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Anlass war wie jedes Jahr der sogenannte "Equal Pay Day" (vgl. dazu mit einigen kritischen Anmerkungen die in der Öffentlichkeit zirkulierenden Aussagen betreffend den Beitrag Wenn aus nicht falschen Zahlen falsche Ableitungen gemacht werden und die strukturellen Probleme unter die Räder der Lagerbildung kommen. Anmerkungen zum "Equal Pay Day" vom 18. März 2017). Nun kann und muss man über die zahlreichen strukturellen Faktoren diskutieren, die zu den Verdienstunterschieden zwischen Frauen und Männern führen bzw. diese stabilisieren. Aber in vielen Bereichen, zumindest dort, wo es Tarifverträge und betriebliche Mitbestimmung gibt, dürften die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männer nicht besonders groß sein. Vor allem nicht im öffentlichen Dienst, denn dass Angestellte oder Beamte deswegen schlechter bezahlt werden, weil sie Frauen sind, ist recht weit hergeholt. Wie immer im Leben gibt es aber ein "Aber". Und das wurde jetzt sichtbar gemacht - in öffentlichen Unternehmen und ganz oben, bei den Führungskräften dieser Unternehmen.

Montag, 20. März 2017

Der Brexit auf dem steinigen Weg zu seiner Realisierung, eine saftige Rechnung und die Möglichkeit der Zechprellerei

Viel wurde und wird spekuliert über den anstehenden Brexit, also den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Ganz offiziell haben die Briten ja immer noch nicht das Austrittsgesuch in Brüssel abgegeben, es wird demnächst aber dort erwartet. Dann beginnt die maximal zwei Jahre dauernde Verhandlung über die Modalitäten der Trennung. Und wie wir in Deutschland wissen, gehört bei einer Scheidung von Ehepaaren immer auch ein Versorgungsausgleich dazu, mit dem beispielsweise erworbene Rentenanwartschaften während der gemeinsamen Ehezeit aufgeteilt werden. Das ist in diesem Fall einer Scheidung zwischen einem Staat und einer Staatengemeinschaft nicht anders, wie wir gleich noch sehen werden.  Allerdings dominierte bislang die volkswirtschaftliche Perspektive der möglichen, wahrscheinlichen, eventuellen Auswirkungen des Austritts Großbritanniens das Diskursfeld, notwendigerweise hoch spekulativ, haben wir es hier doch mit einem Novum zu tun, bei dessen Einschätzung man kaum bis gar nicht Anliegen machen kann in der Wirtschaftsgeschichte.

Samstag, 18. März 2017

Quo vadis, Trump? Das Rätselraten geht weiter

Nun war sie also bei ihm. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihren Antrittsbesuch bei Donald Trump absolviert, nachdem der erste Anlauf vor ein paar Tagen durch einen Schneesturm in den USA verhindert wurde. Während die meisten Medien bewegt werden von der Frage, ob und warum der neue Präsident der Kanzlerin nicht die Hand geben wollte, sorgen sich viele Ökonomen um das, was auf uns zukommen wird mit der neuen Administration, wobei das so richtig (noch) keiner einschätzen kann. Und nun hat auch noch das G20-Finanzminister-Treffen in Baden-Baden stattgefunden, über das beispielsweise Daniel Böcking berichtet: Gruppentherapie mit Amerikanern. »Lange wurde dort darum gerungen, ob sich die führenden Industrie- und Schwellenländer wie in der Vergangenheit für offene Märkte und gegen Protektionismus aussprechen. Am Ende aber setzten sich die Amerikaner durch: Die Abschlusserklärung enthält lediglich das komplett vage Bekenntnis, "den Beitrag von Handel zu unseren Volkswirtschaften zu stärken". Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versuchte erst gar nicht, dies schönzureden. Man habe sich "auf Formulierungen verständigt, die in der Sache nicht viel weiterführend sind - wenn überhaupt", sagte er nach Abschluss des Treffens.«

Mittwoch, 15. März 2017

Die Türkei unter Erdogan nach Jahren des wirtschaftlichen Aufstiegs nun auf der ökonomischen Rutschbahn nach unten

Die vergangenen Wochen haben uns zeigen können, wie man Konflikte zwischen Staaten und zwischen Menschen innerhalb von Staaten eskalieren kann, wie man enorme Emotionen schüren kann, die zu weiteren Emotionen führen. Oftmals verursacht von politisch niederen, aber bekannten Motiven und Mechanismen, beispielsweise von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. Darüber wurde und wird an anderer Stelle zur Genüge geschrieben. Es geht um die Türkei und die bevorstehende Volksabstimmung, mit der Erdogan seinen absolutistischen Machtanspruch zementieren lassen will. Die Verfassungsänderung hin zu einem totalitären, auf seine Person zugeschnittenes Präsidialsystem würde alle noch vorhandenen, wenn auch bedenklich baufälligen Brücken nach Europa für lange Zeit unpassierbar machen. Hier soll es um die wirtschaftliche Frage gehen, also ein kurzer Blick auf die türkische Volkswirtschaft und deren Verflechtungen mit Europa und damit auch mit Deutschland.

Montag, 13. März 2017

Vom Weltfrauentag über Makroökonomie am Herd und den Töchtern, die weniger im Haushalt mitarbeiten als früher, bis hin zum einäugigen Bruttoinlandsprodukt

Der Internationale Frauentag – auch Weltfrauentag genannt – wird inzwischen stets am 8. März gefeiert und ist für Frauen auf der ganzen Welt ein wichtiges Datum. In einigen Ländern ist er sogar gesetzlicher Feiertag.
"Heraus mit dem Frauenwahlrecht!" war die Hauptforderung der "Mütter" des Internationalen Frauentags. Auch wenn diese Zielsetzung inzwischen erreicht wurde, so ist die Gleichstellung der Geschlechter dennoch weder in Deutschland noch im Rest der Welt eine Realität, klärt uns die Landeszentrale für politische Bildung des Landes Baden-Württemberg mit einem Beitrag auf.
Rund um den nun wenige Tage zurückliegenden Weltfrauentag erschienen zahlreiche Artikel und andere Medienberichte - die vor allem um die Frage kreisen, ob und wie stark die (strukturelle) Diskriminierung der Frauen (noch) ist. Dabei spielt die Positionierung auf dem Arbeitsmarkt eine gewichtige Rolle und viele Beiträge beziehen sich auf den sogenannten "Gender Pay Gap", also die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern (vgl. hierzu ausführlicher beispielsweise die Arbeit von Christina Klenner: Gender Pay Gap - die geschlechtsspezifische Lohnlücke und ihre Ursachen. WSI Policy Brief Nr. 7, Düsseldorf 2016). Der Gender Pay Gap beschreibt den prozentualen Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst abhängig beschäftigter Männern und Frauen. Im europäischen Vergleich lag dieser Wert für Deutschland 2014 mit 21,6 Prozent in der traurigen Spitzengruppe. Wobei ein nicht geringer Teil dieses Bruttostundenverdienstunterschieds auf strukturelle Faktoren zurückzuführen ist wie beispielsweise den unterschiedlichen Teilzeitquoten der Geschlechter, der Führungskräfteanteil oder die unterschiedliche Branchenverteilung der Geschlechter. Abgebildet wird das dann in der "bereinigten Lohnlücke", die angibt, wie hoch der Gender Pay Gap ausfallen würde, wenn sich Frauen und Männer am Arbeitsmarkt hinsichtlich der ausgeübten Berufe, der Ausübung von Führungspositionen und anderer Merkmale nicht wesentlich unterscheiden würden.

Samstag, 11. März 2017

Der Euro, sein angeblich von der EZB manipulierter Wechselkurs, die Austeritätspolitik und wieder mal Griechenland

In dem Beitrag Die Notenbanker zumindest in der EZB bleiben geldpolitisch stur. Aber was machen die Notenbanker eigentlich? vom 9. März 2017 wurde bereits darauf hingewiesen, dass derzeit gerade in Deutschland zahlreiche Artikel abgeschossen werden, die angesichts der Inflationsentwicklung am aktuellen Rand endlich ein Zurückfahren der lockeren Geldpolitik der EZB fordern - allerdings gibt es dazu auch eine andere Sichtweise, beispielsweise Philipp Stachelsky in seinem Beitrag Die EZB ist noch lange nicht am Ziel. Sein Punkt: »Die Inflationsrate in der Eurozone ist auf 2% gestiegen. Damit ist die EZB jetzt wieder an einem Punkt angekommen, wo sie vor knapp sechs Jahren schon einmal stand. Bleibt zu hoffen, dass sie aus ihren Fehlern von damals gelernt hat – und die expansive Geldpolitik nicht erneut zu früh beendet.« Aber die EZB steht auch an einer anderen Front unter Druck, ihre Niedrigzins- und Anleihekauf-Politik zurückzufahren, beispielsweise kommen aus der neuen US-Regierung harsche Manipulations-Vorwürfe den Euro-Wechselkurs betreffend.

Donnerstag, 9. März 2017

Die Notenbanker zumindest in der EZB bleiben geldpolitisch stur. Aber was machen die Notenbanker eigentlich?

Nein, die Europäische Zentralbank will nicht weichen von ihrem geldpolitischen Kurs. »Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erwartungsgemäß ihre Leitzinsen nicht angetastet. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibe bei 0,0 Prozent, teilten die Währungshüter am Donnerstag in Frankfurt mit. Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit März 2016. Auch die Strafzinsen für Banken, wenn diese über Nacht überschüssige Liquidität bei der EZB parken, wurden nicht angetastet. Der sogenannte Einlagensatz bleibt bei minus 0,4 Prozent«, so das Handelsblatt unter der Überschrift Draghi bleibt trotz Kritik bei Nullzinspolitik. In Deutschland wird das von nicht wenigen kritisiert. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer, hat die Europäische Zentralbank dazu aufgefordert, von ihrer "ultralockeren Geldpolitik" abzurücken, kann man einem Interview des Deutschlandfunks mit ihm entnehmen ("Es wäre wichtig, dass die EZB den Einstieg in den Ausstieg beginnt"). Philip Plickert sieht Draghi und die EZB Gefangen im Nullzins. Nach Plickert »wäre es überfällig, wenigstens die Strategie für den Ausstieg vorzubereiten. Sonst wird die EZB zum Gefangenen ihrer Geldpolitik, denn sie hat Zombiebanken und Schuldenstaaten davon abhängig gemacht.« Immer wieder werden wir konfrontiert mit dem Hinweis auf die doch wieder gestiegene Inflation. Aber das kann man auch ganz anders sehen, dazu ausführlich Philipp Stachelsky in seinem Beitrag Die EZB ist noch lange nicht am Ziel. Seine Sichtweise: »Die Inflationsrate in der Eurozone ist auf 2% gestiegen. Damit ist die EZB jetzt wieder an einem Punkt angekommen, wo sie vor knapp sechs Jahren schon einmal stand. Bleibt zu hoffen, dass sie aus ihren Fehlern von damals gelernt hat – und die expansive Geldpolitik nicht erneut zu früh beendet.«

Samstag, 4. März 2017

Bankendämmerung. Wer soll und will in Unternehmen arbeiten, die in einer strukturellen Krise sind? Die Ausbildung in einer Bank als Auslaufmodell

Auch wenn das dem einen oder anderen sicher zu weit gehen wird angesichts dessen, was man normalerweise mit Banken und den Bankern verbindet - viele von ihnen haben es in diesen Zeiten nicht wirklich leicht und man muss mal eine Lanze brechen für die Banken, die von mehreren Seiten massiv unter Druck gesetzt werden. Im Dezember 2016 konnte man beispielsweise diesen Artikel lesen: Deutscher Bankensektor in tiefer struktureller Krise. Darin wird über eine Analyse von Bain & Company berichtet. Nach dieser Analyse verdienten die Banken ein Deutschland deutlich weniger als ihre Konkurrenten in anderen Ländern wie Frankreich, den USA, Japan, Großbritannien und der Schweiz. »Die Institute in Deutschland leiden ... vor allem unter strukturellen Defiziten im operativen Geschäft. Der Zinsüberschuss trägt hierzulande mit 73 Prozent signifikant mehr zu den Einnahmen der Banken bei als in anderen Ländern. Die weltweite Niedrigzinspolitik belastet die deutschen Häuser damit besonders stark. Höhere Provisionseinnahmen scheitern unter anderem am harten Wettbewerb in einem unverändert stark fragmentierten Markt. In Frankreich etwa vereinen die fünf größten Banken mit 85 Prozent einen nahezu doppelt so hohen Anteil der kumulierten Bilanzsumme auf sich wie in Deutschland (44 Prozent). Trotz aller Sparanstrengungen stagniert auch deshalb die Cost-Income-Ratio, das Verhältnis von Kosten und Erträgen.« Vor allem der Abstand zu den US-amerikanischen Banken ist frappierend, so auch schon Alexandra Regner in ihrem Artikel Europas Banken werden abgehängt: »Die US-Banken legen glänzende Bilanzen vor – von ihren Milliardengewinnen können Europas Institute nur träumen. Die sehen nur noch die Rücklichter der Konkurrenz.«

Mittwoch, 1. März 2017

USA: Vom Mythos der Einwanderungskrise, einem ökonomischen Suizid durch Deportationen und das es oft anders kommt, als ursprünglich geplant

Seit seinem Amtsantritt ist klar, dass Donald Trump partout nicht lassen will von dem, was er im Wahlkampf vollmundig verkündet hat. Beispielsweise eine Mauer zu bauen an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Was viele empört zur Kenntnis nehmen (müssen), beflügelt bei anderen die Instinkte für kommende Geschäfte, was dann zu solchen Meldungen führt: Hochtief erwägt Bewerbung für Mexiko-Mauer: »Deutschlands größter Baukonzern erwägt, sich um den Auftrag für den Bau einer Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko zu bewerben.« Wie dem auch sei - die Stimmung gegen Einwanderer in den USA hat ein bislang nicht gekanntes Niveau erreicht, seit Trump im Amt ist. Was das ganz konkret für Menschen bedeutet, die als "Illegale" in den USA leben (müssen), teilweise mit Kindern, die - weil in den USA geboren - ganz legal dort sind, weil sie mit der Geburt die Staatsbürgerschaft bekommen haben, beschreibt Dorothea Hahn in ihrem lesenswerten Artikel Zwei von elf Millionen. Aber auch im engeren ökonomischen Diskurs regt sich Widerstand gegen den von Trump angekündigten Doppelschlag aus Abschottung (durch eine Mauer) und die Deportation der "Illegalen" aus den USA.

Sonntag, 26. Februar 2017

Gewinnt am Ende dann doch immer die Bank? Die Bausparkassen, ein Urteil der Bundesgerichtshofs und die Frage, ob das nun schlecht oder vielleicht sogar gut ist für die Bausparer

Das eigene Heim hat für viele Menschen in Deutschland eine große Bedeutung und es werden enorme finanzielle Belastungen auf sich genommen, um dem Traum von den eigenen vier Wänden zu realisieren. Für die meisten Häuslebauer und Wohnungskäufer der Vergangenheit war das Bausparen ein Teil im Konzert der Finanzierungsinstrumente. Und für das Bausparen gibt es seit langem die Bausparkassen, also Kreditinstitute, die sich auf die Wohnungsbaufinanzierung über Bausparverträge spezialisiert haben. Der Bausparmarkt in Deutschland wird zu etwa zwei Drittel durch zwölf private Bausparkassen, zumeist Tochterunternehmen von Versicherungen und Banken, sowie zu etwa einem Drittel durch acht Landesbausparkassen abgedeckt. Für 2016 werden 29,6 Mio. Bausparverträge ausgewiesen, davon entfallen 19 Mio. auf die LBS. Die Bausparsumme der Privathaushalte wird auf ansehnliche 875 Mrd. Euro taxiert und damit deutlich mehr, als die Privathaushalte beispielsweise in Investmentfonds angelegt haben (505 Mrd. Euro). Wir reden hier also nicht über Peanuts, wirklich nicht.

Donnerstag, 23. Februar 2017

Piraterie in der Hansestadt Hamburg? "Kammerrebellen" kapern die Handelskammer

Die 79 Industrie- und Handelskammern gehören zum Kernbereich des besonderen korporatistischen Arrangements in Deutschland. Das wird auch an ihrem besonderen Status erkennbar. Auf der einen Seite stehen sie für die Idee der Selbsthilfe durch Zusammenschluss und das Recht, dass Unternehmen ihre Angelegenheiten eigenverantwortlich regeln können, durchaus mit demokratischen Strukturelementen wie der Wahl ihrer Vertreter. Zugleich hat der Staat diese an sich auf Freiwilligkeit basierenden Strukturen gleichsam inkorporiert und aus den Kammern berufsständische Körperschaften des öffentlichen Rechts gemacht, wodurch sich neben der klassischen Interessenvertretung ihrer Mitglieder als zweite Aufgabensäule die Zuweisung an sich staatlicher Funktionen ergeben hat, man denke hier an den Bereich der Berufsbildung ( dazu gehören 555.000 Zwischen- und Abschlussprüfungen in der Ausbildung und 164.000 Prüfungen in der Weiterbildung). Insgesamt haben die IHK mehr als 50 Aufgaben, die ihnen vom Staat übertragen sind, so der DIHK. Sie begleiten Firmengründer, geben Auskunft bei Rechts- und Steuerfragen oder beraten bei der Expansion in internationale Märkte. Damit verbunden ist eine Staatsaufsicht, aber eben auch eine gesetzliche Pflicht zur Mitgliedschaft in diesen Einrichtungen, denen man sich nicht durch autonome Entscheidung entziehen kann, wenn man zum definierten Kreis der Zwangsmitglieder gehört.

Montag, 20. Februar 2017

Jenseits des Poker-Spiels um die nächsten Milliarden-Tranche für "die" Griechen. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen

Klappe die Nummer wie viel? »In der griechischen Schuldenkrise sind die Beteiligten der Auszahlung weiterer Hilfskredite einen Schritt nähergekommen. Die Eurofinanzminister hätten sich darauf verständigt, dass die Kontrolleure der internationalen Geldgeber-Institutionen in der kommenden Woche nach Athen zurückkehren, hieß es aus Kreisen der Euro-Gruppe und des griechischen Finanzministeriums«, kann man dem Artikel Griechenland könnte Kredittranche bald bekommen entnehmen. Und auch das hier kommt einem irgendwie schon unzählige Male gehört an: »Eine Einigung über das weitere Vorgehen könne dort dann schon innerhalb weniger Tage gefunden werden, hieß es weiter. Griechenland muss im Sommer Kredite in Milliardenhöhe zurückzahlen, was Athen nicht allein schultern könnte. Zur Freigabe weiterer Finanzhilfen sind allerdings noch einige Reformschritte nötig.« So kann man das natürlich auch sehen: Griechenland-Drama wieder aufgeschoben. Vertreter der vier Institutionen - drei von der EU und einer vom IWF - fahren schon in der nächsten Woche wieder nach Griechenland, um dort mit der Regierung "ein weiteres Paket von tiefgreifenden Reformen" zu vereinbaren, wie Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem zitiert wird.

Samstag, 18. Februar 2017

Die Eierlikör-Ökonomie von Oma als Fundament der Schäublonomics? Die Folgen der Austeritätspolitik diesseits und jenseits der Griechen

Griechenland ist zurück auf der internationalen Krisen-Bühne. Auf der Gläubiger-Seite gab und gibt es Streit, wie man mit diesem Land weiter verfahren soll (vg. dazu bereits den Beitrag Griechenland - Wie sollen die da raus kommen? Eine Abbildung verdeutlicht die Misere vom 8. Februar 2017 sowie zu den Hintergründen der aktuellen Auseinandersetzungen Die Wiederkehr der Drachme doch ante portas? Griechenland erneut zurück auf der Bühne der "Euro-Krise" vom 7. Februar 2017). Im Zentrum des Konflikts steht der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der scheinbar der einzige ist, der den Griechen mal reinen Wein einschenkt: Es wurde eben zu wenig reformiert und zu wenig gekürzt, deshalb haben die jetzt wieder Stress. Anders als bei uns, immerhin ist er ja der Hohepriester der "schwarzen Null" im deutschen Haushalt. Da hilft mit Blick auf diese unzuverlässigen Gesellen am Mittelmeer nur: den Druck erhöhen und den Griechen drohen.

Mittwoch, 15. Februar 2017

Die Kriminalität der weißen Kragen und die Schleuser als Beispiel für die kriminelle Ökonomik der Margen

Es sollte mittlerweile bekannt sein, wie hilfreich der Blick in die Geschichte der Ideen und Theorien sein kann, um heutigen Phänomenen auf den Grund zu gehen. Beispielsweise diese Frage, ob das immer schlimmer wird mit der Wirtschaftskriminalität. Jürgen Kaube hat das getan in seinem Beitrag Gangster mit gebügelten Hemden, der mit dieser zentralen These aufmacht: Globale Konzerne haben einen neuen Typus von Verbrechern produziert. Die Täter sind kaum zu fassen. Um die zu belegen, schaut Kaube weit zurück: »Der Soziologe Edwin Sutherland dagegen ist heute nicht mehr sehr bekannt. Das war mal anders. In den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts lehrte er in Chicago und hatte es nicht weit zu seinem Forschungsgegenstand, der Kriminalität. Sein Buch „The Professional Thief“ von 1939 war die erste Untersuchung, in der Verbrechen als Beruf behandelt wurde ... Im selben Jahr 1939 hielt Sutherland einen Vortrag über das, was er als erster „White Collar Crime“ nannte, Kriminalität von Leuten mit weißem Kragen.« Im Unterschied zu Verbrechen als Beruf war und ist „White-Collar Crime“ mit Verbrechen im Beruf assoziiert - und zwar in eigentlich hochangesehenen Berufen. Für Sutherland, so Kaube, waren diese Verbrechen schon deshalb interessant, weil übliche Erklärungen für Delinquenz wie Armut, schwere Jugend, Leben in schlechter Gesellschaft hier nicht oder kaum in Anschlag gebracht werden konnten. Und weil es sich um eine Kriminalität handelt, die nur im Kontext von Organisationen möglich ist.

Montag, 13. Februar 2017

Kitschiger Kommerz an einem ehemaligen Gedenktag für einen enthaupteten Märtyrer. Auf alle Fälle gut für die Importseite der deutschen Außenhandelsbilanz. Der Valentinstag und die Rosen

Am morgigen Dienstag ist es wieder soweit: Die Blumenläden in Deutschland werden frohlocken, denn am 14. Februar wird der Valentinstag inszeniert, der in einigen Ländern als Tag der Liebenden gilt. Der Ursprung war wohl ein katholischer Gedenktag für einen enthaupteten Märtyrer, was zur morbiden Traditionslinie der Kirche passt. Dieser Erinnerungstag wurde von Papst Gelasius I. im Jahr 469 für die ganze Kirche eingeführt, 1969 jedoch aus dem römischen Generalkalender wieder gestrichen. Auch wenn der Valentinstag also einen blutig-nachdenklichen Ursprung hatte - heute ist er wie fast alles in unserem Leben durchkommerzialisiert. Und die Schnittblumenwirtschaft hat den Tag immer noch fest im Griff, obgleich andere Quellen darauf hinweisen, dass sich das Spektrum dessen, was an diesem Tag so verschenkt wird, erweitert bzw. diversifiziert, wie die Ökonomen sagen würden.

Die Blumen stehen immer noch an erster Stelle dessen, was nach einer neuen Studie am Valentinstag verschenkt werden soll - 61 Prozent geben diese Produktgruppe an. Offensichtlich haben wir zumindest auf der Antwortebene eine Menge Romantiker, denn auf Platz 2 kommt bereits das Candlelight Dinner, das von 50 Prozent genannt wird. Und die Pluralisierung unserer Gesellschaft kann man auch daran erkennen, dass immerhin 12 Prozent ein ganz eigenes Verständnis vom Tag der Liebenden haben und Dessous und Sex Toys verschenken wollen.

Aber bleiben wir bei den Schnittblumen und dabei vor allem den Rosen, die am Valentinstag eine immer noch so große Rolle spielen. Für das Jahr 2012 wurde berichtet, dass über 1,2 Milliarden Rosen nach Deutschland importiert wurden, 74,9 Prozent davon kamen aus den Niederlanden in die Bundesrepublik, auf dem zweiten Rank der Exporteure folgt mit großem Abstand und 15,4 Prozent direkt aus Kenia. Wobei der hohe Wert der Niederlande jedoch nicht bedeutet, dass alle der Rosen aus dem westlichen Nachbarland Deutschlands auch wirklich in den Niederlanden gezüchtet wurden. Das Land dient traditionell als Umschlagplatz für Blumen aus aller Welt. Und viele, sehr viele Rosen kommen aus Afrika.