Donnerstag, 23. November 2017

Der Brexit zwischen den Sorgen der chemischen Industrie in Deutschland und noch viel größeren Sorgen für viele Menschen auf der Insel

Der Ausstieg Großbritanniens wurde im Beitrag Der Brexit und die Lieferketten erneut behandelt. Darin ging es auch um die Auswirkungen einer Trennung auf die hyperkomplex miteinander verwobenen Lieferketten. Zu dem Thema auch diese Artikel: Chemische Industrie rechnet mit 200 Millionen Euro Kosten:
»Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnt vor gravierenden Mehrkosten durch den anstehenden Austritt von Großbritannien aus der EU. „Sollte die britische Regierung etwa Chemie- und Pharmazölle auf der Höhe der heutigen EU-Außenzölle einführen, würden jährliche Zollzahlungen von circa 200 Millionen Euro für Deutschlands drittgrößere Branche anfallen“, heißt es in einem Positionspapier des Verbands.«
Vermutlich noch höhere Kosten seien zu erwarten, wenn künftig die Regulierung zwischen der EU und Großbritannien auf unterschiedlichen Pfaden erfolgt. Sollte sich Großbritannien etwa dazu entschließen, eine andere Chemikalienverordnung oder Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel zu erlassen, würde das für die Branche „erhebliche bürokratische Hürden und Kosten“ bedeuten. Diese könnten die Belastungen durch Zollzahlungen sogar noch übertreffen, warnt der Verband. Für die Chemische Industrie ist Großbritannien ein wichtiger Handelspartner. Die Branche exportiert Chemikalien im Wert von 12 Milliarden Euro nach Großbritannien, vor allem Spezialchemikalien und Pharmaprodukte.

Und auch hier tauchen sie auf, die Lieferketten: „Es ist nur ratsam, dass jedes Unternehmen seine Lieferketten nun überprüft und sich die Frage stellt, ob diese so bestehen bleiben können“, sagt Attila Gerhäuser, Leiter des Europabüros des VCI, der WirtschaftsWoche. Im schlimmsten Falle könnten Chemiekonzerne aus Großbritannien abwandern oder ihre Lieferketten umstrukturieren.

Aber es gibt auch noch ganz andere Perspektiven auf die (möglichen) Folgen des Brexit. Und die werden in diesem Artikel angesprochen: UK faces two decades of no earnings growth and more austerity, says IFS, berichtet der Guardian.

Nach der Vorhersage des in Großbritannien führenden finanzpolitischen Thinktanks Institute for Fiscal Studies (IFS) stehen den britischen Arbeitnehmern bislang beispiellos zwei Jahrzehnte des Nicht-Wachstums bei den Verdiensten und viele Jahre der Austeritätspolitik bevor.
Vorhersagen zeigen rückläufige Produktivität, Verdienste und Wirtschaftswachstum in jedem Jahr bis 2022. Bis zur Mitte des kommenden Jahrzehnts werden sich die öffentlichen Finanzen Großbritanniens im Bereich der roten Zahlen bewegen.

  • GDP per person will be 3.5% smaller in 2021 than forecast in March 2016. The loss of growth will mean the economy is £65bn smaller in 2021 than previously thought.
  • Average earnings are on course to be £1,400 a year lower in 2021 than forecast in 2016. That means the recovery in wages will have failed to materialise and average earnings will be below their 2008 level adjusted for inflation.
Das sind wahrhaft schlechte Aussichten.